Pressemitteilung: Bauern bereit für neue, härtere Proteste
Pressemitteilung: Bauern bereit für neue, härtere Proteste
Nach einer kurzen Phase der Ruhe befinden sich europäische Landwirte erneut im Protestmodus. Preisliche und politische Entwicklungen schüren die Existenzängste der landwirtschaftlichen Erzeuger. Den Anfang machten die griechischen Bauern, welche seit Tagen wichtige Verkehrsknotenpunkte besetzen. Für den 18.12.25 ruft der europäische Bauernverband zu einer Großdemonstration nach Brüssel auf. Und auch unter den deutschen Landwirten rumort es gewaltig.
Die aktuelle Preisschwäche für wichtige Erzeugerpreise wie Getreide und Milch trifft auf kürzlich veröffentlichte Vorstellungen der europäischen Kommission, einerseits durch neue Freihandelsabkommen die europäische Landwirtschaft weiter dem globalen Marktdruck auszusetzen und andererseits die hierfür zum Ausgleich vorgesehenen Zahlungen weiter massiv zu beschneiden. Zudem scheinen in Brüssel, europäische Steuermittel durch Korruption und in einem Bruderkrieg pulverisiert zu werden.
In der Kritik der deutschen Bauern stehen zudem vor allem die großen Lebensmitteleinzelhändler (LEH) der Edeka-, Rewe-, Aldi- und Schwarzgruppe, welche es verpasst haben, die bereits seit Jahren von den Landwirten eingeforderte Marktreformen umzusetzen. Vielmehr habe man die Landwirte in end- und ergebnislose Gesprächsrunden verwickelt, um den Druck von der Straße und die Blockaden von den Zentrallägern des LEHs zu nehmen. Frust erzeugen auch die Bundesregierungen seit Angela Merkel, welche zwar die so genannte Zukunftskommission Landwirtschaft ins Leben rief, in der sich fachlich versierte Protagonisten jahrelang zusammentrafen, von deren Ergebnissen man am Ende aber nichts wissen wollte.
„Ich will keine Subventionen, sondern einfach nur kostendeckende Preise für meine Schweine auf Augenhöhe mit meinen Marktpartnern besprechen“, resümiert die norddeutsche Bäuerin Dagmar Klingelhöller. Die hierfür nötigen einfachen Marktreformen wie fairer Wettbewerb durch gleiche Standards bei Importware und vollständige Lieferverträge vor Produktion werden den deutschen Landwirten seit Jahren von Politik und Handelspartnern vorenthalten. Frau Klingelhöller bringt bereits seit langem in der Dialogplattform „Zentrale Koordination Handel-Landwirtschaft“ die Interessen der deutschen Landwirtschaft vor und setzt weiter auf Diplomatie.
„Ein Auto in Indien kostet wenige tausend Euro in der Produktion. Damit dieses Auto in Deutschland fahren kann, muss es so teure Sicherheitsstandards erfüllen, dass es hierzulande dann keine große Konkurrenz mehr darstellt. Bei importierten landwirtschaftlichen Rohstoffen sind diese Standards egal. Da zählt nur der Preis.“, moniert Thomas Essig, Vorstandsmitglied der während der letzten Bauernproteste gegründeten Partei „Deutsch Land Wirtschaft“ (DLW). Vorstandskollege Benjamin Meise ergänzt: „Der ungezügelte Drang zur Globalisierung, bei dem wir nicht nur Autos gegen Rinder tauschen, schwächt empfindlich unsere Eigenversorgungskapazitäten in elementaren Wirtschaftsbereichen. Die Landwirtschaft steht nur exemplarisch für viele weitere Branchen. Die gesamte deutsche Wirtschaft schrumpft im internationalen Wettbewerb aufgrund zu hoher Energie- und Arbeitskosten. Das Einzige, was in Deutschland noch wächst, ist die Verwaltung und der Schuldenberg.“
Glaubt man den aktuellen Stimmen aus der Landwirtschaft, werden die Traktoren bei neuen Protesten länger und enger stehen, als wir es bisher gewohnt waren. Die Landwirte haben aus der Vergangenheit gelernt und werden ihre Camps nicht durch irgendwelche Gesprächsangebote, die bereits vorsorglich vom LEH unterbreitet wurden, abbrechen. Sie zählen dabei auf die breite Unterstützung weiterer enttäuschter Bürger. Nur eine schnelle Umsetzung der bitter nötigen Marktreformen würden demnach eine Auflösung erzielen.